Friday, December 08, 2006

The code of the street

An einer Bushaltestelle wartet ein Teenager-Päärchen. Sie streiten sich. Das Mädchen sagt zu ihrem Freund: Warum lässt Du immer alles an mir aus? Der Knabe entgegnet: An wem soll ich es denn sonst auslassen, Alter? Die Kleine sagt: Fick dich doch selber! dreht sich um und geht weg. Er bleibt stehen und versucht möglichst cool zu wirken.

Ortswechsel. Drei türkische Schüler gehen vor mir und unterhalten sich. Der eine erzählt wie sich seine Mutter in einer Umtauschangelegenheit in einem Kaufhaus durchgesetzt hatte obwohl sie keinen Anspruch auf den Umtausch hatte. Einer der beiden anderen sagt anerkennend: Junge, deine Mutter hat Eier, Alter...

Monday, November 20, 2006

Guns of Kreuzberg

"When they kick at your front door, how do you gonna come, with your hand on your head or on the drigger of your gun"

So stellte sich für The Clash die Situation in Brixton in den 80ern dar. Guns of Brixton heißt denn auch der song. Nun, Kreuzberg ist nicht Brixton, die 80er sind vorbei und Knarren spielen keine große Rolle. Sie spielten auch vergangenen Dienstag im Wrangelkiez keine Rolle, wo sich folgendes abspielte: Die Polizei will zwei türkische 12-Jährige festnehmen, die einem anderen einen MP3-Player abgezogen haben sollen. Und das alles an einer Ecke wo Tag für Tag ein Haufen türkischer Jugendlicher in einer Art Freiluft-Jugendzentrum abhängen.
Und die Polizei soll bei der Verhaftung der Übeltäter recht ruppig vorgegangen sein. Es kommt was kommen muss. Schnell bildet sich eine große Gruppe, es kommt zu Rangeleien, Schlagstöcke und Pfeffergas werden eingesetzt, von Seiten einzelner Polizisten kommt es zu rassistischen Beschimpfungen. Irgendwann beruhigt sich die Lage.

Am nächsten Tag geht es im Blätterwald hoch her. Französische Verhältnisse heißt es schnell und der Tagesspiegel entblödet sich nicht zu schreiben: Der Mob ist da. Der Mob trägt in Berlin erfahrungsgemäß oft Uniform. Das weiß jeder der öfters in Berlin demonstriert hat.
Und ntürlich kann man den Wrangelkiez nicht mit den französischen Banlieu vergleichen. Die dortige Perspektivlosigkeit ist um ein vielfaches größer als hier. Und, die Banlieus sind nicht in der Stadt, d.h. irgendwie eben auch nicht mehr in der Gesellschaft. Kreuzberg liegt mitten in der Stadt. Noch. Wenn ich sehe wie der Wrangelkiez sich derzeit verändert, sehe ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Aus den improvisierten charmanten Galerien können ganz schnell Luxusläden werden. Wäre schließlich nicht das erste mal.

Wednesday, November 15, 2006

Berliner Höflichkeit

Am Kottbusser Tor haben sich die Junkies wegen der Kälte in den Bahnhof zurückgezogen. Das ist nun ihr Wohnzimmer und man fühlt sich immer ein bisschen wie ein Eindringling wenn man durch die Jammergestalten mit ihren Hunden geht. Wobei ich sagen muss, in der kalten Jahreszeit sehen sie nicht so elend aus wie im Sommer. Dann fallen ihren grauen Gesichter, ihre graue Erscheinung überhaupt stärker auf.
Wenn es kalt ist und die Sonne schwach ist und wenig scheint, ist alles eher grau und die Menschen eben auch. Ob es den Junkies deshalb im Winter etwas besser geht?

Runter zur U 8. Wenn ich das richtig sehe kommen heute alle Ansagen in der U-Bahn vom Band. Vor ein paar Jahren war das noch anders.
Die Abfertiger bellten: Zurückbleiben! Manchmal, wenn eben jemand nicht zurückblieb: Zurückbleiben ha ick jesagt! Dann kam eine Service- und Qualitätsoffensive der BVG. Alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt wurden geschult. Das Ergebnis hörte sich dann so an:
Zurückbleiben bitte! Ein Mitarbeiter soll sich geweigert haben Bitte! zu sagen. Er wurde entlassen. Wiglaf Droste schrieb damals in einer Glosse in der taz: So ist der Berliner, lieber arbeitslos als Bitte sagen...
Ich steige ein, die Stimme sagt: Verrückt bleiben bitte! Was? Das kann doch nicht sein? Naja andererseits...

Thursday, November 09, 2006

Keine Werbung bitte!

In einigen Gegenden von Wilmersdorf, Charlottenburg und Zehlendorf, dort wo die Ein- oder auch Zweifamilienhäuser mit einem Schlag Richtung Villa stehen, gibt es so gut wie keinen Briefkasten ohne diesen Aufkleber: Keine Werbung bitte. Manchmal auch: Keine Reklame.
Manchmal sind es selbstgemalte Bilder, die die Kinder der Familien angefertigt haben. In meiner Gegend sieht man die Dinger seltener.
Hier könnte man Aufkleber mit folgender Aufschrift brauchen: Werbung? Mir doch egal, werf ich eh auf den Boden.
Das betrifft dann auch die Mülltrennung, die hier nur eine theoretische ist. Es liegt wohl daran, dass ökologisches Bewusstsein in einem Umfeld in dem sehr viele am oder auch unter dem Existenzminimum leben, nicht besonders gut gedeiht.

Monday, November 06, 2006

La vie es belle et pleine des potentielles

Diese Songzeile von MC Solaar ging mir plötzlich durch den Kopf als ich den unfreundlichsten Getränkeladen Berlins betrat.
Die sind so unfreundlich in dem Laden, dass man in der Regel begrüßt noch verabschiedet wird. Ich vermeide es dort zu kaufen, aber es ist eben praktisch, weil nah. Ich stelle mir manchmal vor ich gehe da rein und sage: Ich möchte ihr ganzes Sortiment kaufen bitte.
Der Besitzer verzieht keine Miene, nimmt seinen Taschenrechner, rechnet und rechnet und rechnet und dann sagt er ohne jede Freundlichkeit in Stimme oder Gesicht: 26.493, 56 €.

La vie est belle et pleine des potentielles also...Früher war das immer ein wenig mein Credo. Sicher es gab und gibt was man dann so Schicksalsschläge nennt: Schwere Krankheiten, ökonomische Katastrophen, emotionale Engpässe...Aber immer dachte ich irgendwann: Es ist noch einiges drin und es geht weiter.

Das mir dieser Song heute durch den Kopf ging werte ich mal als gutes Zeichen.

Friday, November 03, 2006

I want to get high...

so high...So einer der bekanntesten Songs von Cypress Hill. Von denen ich heute nacht geträumt habe. Vielleicht weil auf MTV gerade ein Video läuft in dem einer der Cypress Hills von Snoop Doggy Dog gefeatured wird. Dick ist der Kerl geworden.
Wahrscheinlich von den Fress-Flashs nach dem Kiffen. Cypress Hill sind die Erfinder des extrem abgehangenen schleppenden Marihuana-HipHop. Bei der Gelegenheit habe ich noch über andere Drogenmusik nachgedacht. Klar Velvet Underground: Heroin und Waiting for my man. Aber wer kennt Clark Hutchinson: Free to be stoned? Wohingegen Witthüser und Westrup: Trips und Träume, so der Name der LP, zumindest in Bentamastar-Kreisen bekannt ist.
Und bei den neueren Sachen? Jan Delay: Die Party ist zu Ende? Deichkind: Ich betäube mich.
Wer kennt noch andere?

Friday, October 27, 2006

Opium für Ausländer

In der besten türkischen Bäckerei Kreuzbergs, wenn nicht Berlins. Sie hat rund um die Uhr auf, und man steht praktisch mitten in der Backstube. Die Verkäuferinnen sind durch die Bank hübsch, aber das sagte ich sicher bereits an anderer Stelle. Und die Mandelhörnchen!
Manna, von irgendeinem Gott berührt!
Vor mir ist eine sehr große lustig gekleidete Frau mit Rudi-Carell-Akzent, also wohl aus Holland. Sie kauft türkisches Gebäck, eins davon, eins davon, zwei davon. Als ihr die Verkäuferin sagt, dass es sich bei jener Sorte um Mohn-Gebäck handelt, fragt sie: Mohn, was ist das?
Die Verkäuferin schaut mich fragend an und sagt: Wie soll man das erklären? Frau Carell dreht sich zu mir um und schaut ebenso fragend.
Mohn, sage ich, Mohn...hm...Opium! Aus Mohn wird Opium gemacht! Opium? fragt sie. Dann sagt sie: Aha, Opium, gut. Zwei bitte. Sie bezahlt und meine Rausgehen schaut sie mich nochmal an und sagt: Opium. Aus Holland ist sie ja was den legalen Erwerb von Drogen angeht einiges gewöhnt, aber Opium in einer Bäckerei...
Als sie draußen ist, sagt die Verkäuferin: Manchmal ist es ein bisschen schwierig mit den Ausländern. Ich gebe ihr recht und kaufe ein Mandelhörnchen.

Thursday, October 26, 2006

Irony is over?

Nun denn, die Vorderhäusler sind keine Yuppies und auch keine Bobos, also Bohémiens vielleicht schon, aber keinesfalls Bourgeois.
Vom Familien-Van sind sie genau so weit entfernt wie von der Fünf-Zimmer-DG-Wohung. Sie haben auch kein Tee-Service. Und der Kleine muss auch nicht zum Ballett. Sie leben eben ihr Leben und kämpfen ihre Kämpfe wie die meisten hier. Und wer möchte nicht in einer großen, schönen Wohnung am Wasser wohnen? Dass das leider immer weniger möglich wird, das ist ein Umstand der mich manchmal schon zum Kotzen bringen könnte.

Vorderhäusler!

Auf der Straße erzählt man sich, ihr wollt ans Ufer ziehen.Eine fünf- sechs-Zimmer-DG-Wohnung mit großer Terasse.
Da sitzt ihr dann mit euren neuen Ufer-Freunden und sie werden sagen: Wo habt ihr denn das entzückende Tee-Service her?
Und ihr werdet sagen: Das ist aus dem Kaufhaus Protz, wir kaufen fast alles da. Hier gibt es ja fast nichts. Obwohl, gestern habe ich um die Ecke einen ganz reizenden kleinen Weinladen entdeckt. Wenn man 1000 Flaschen kauft, bekommt man 50 dazu und darf mit dem Inhaber oder der Inhaberin schlafen. Nett, nicht?
Mit eurem riesigen Familien-Van werdet ihr euren armen Sohn zum Ballett-Unterricht fahren und in die Privatschule.
Und wenn ich euch mal anrufe werdet ihr sagen: Das ist aber toll, dich wollten wir gerade anrufen! Wir müssen uns unbedingt treffen!
Oh, da kommen gerade fünf andere Anrufe ein, ich muss Schluss machen, ich ruf dich an. Küsschen!
Und abends sitzt ihr dann mit Rotwein auf eurer weitläufigen Terasse und sagt: Herrlich, mitten in Kreuzberg und doch so friedlich...

Wednesday, October 25, 2006

Seitensprung

Auf dem Weg zum Supermarkt, vorbei an den neuen Cafes in denen mittlerweile auch langhalsige höhere Töchter sitzen. Sie sind ja oft ganz hübsch, die Biester, also schau ich sie mir an und dann denke ich: Verpfeifft euch doch nach Mitte! Um die Ecke beim Supermarkt ist eine Baguetteria. Ich denke ich sollte ihr eine Chance geben und kaufe zwei Croissants. Normalerweise kaufe ich die nur beim Wiener Feinbäcker am U-Bahnhof. Der Name ist natürlich ein Witz, der Laden hat mit einem Wiener Feinbäcker so viel zu tun wie ich mit Donald Trump.
Aber es gibt da drei Brezeln für € 1,40. Und die sind lecker die Dinger, die besten die ich bisher in Berlin finden konnte. Also kaufe ich dort fast täglich ein und kenne die Wiener Feinbäckerinnen und sie mich. Und wie es der Teufel will, kommt eine der Feinbäckerinnen aus dem Bahnhof als ich dran vorbeigehe. Sie grüßt mich freundlich und dann sieht sie meine Bäckertüte und ihr Lächeln scheint zu gefrieren.
Ich fühle mich schuldig, ich habe sie betrogen, mit billigen Croissant-Schlampen, wie sich später herausstellen soll. Auf dem Nachhauseweg läuft mir noch mein Fitnesstrainer über den Weg. Ich war ewig nicht im Studio gewesen. Er schaut streng, kommt mir vor.

Der Schnitzer

Im Viertel ist des öfteren ein alter Mann zu sehen, der mit seinem Fahrrad, das sein Alter haben dürfte, unterwegs ist.
Auf den ersten Blick würde man denken: Ein Penner. Aber der Eindruck täuscht. Seine Kleidung ist zwar nicht gerade gestern gekauft,
aber auch nicht vergammelt. Er hat immer dasselbe Outfit: Blaue Arbeitshosen, eine Art grauer Schürze drüber und einen Camouflage-Parka.
Er hat einen langen Ho-Chi-Minh-artigen Bart und lange Haare und trägt eine Mütze. Wenn er mit dem Fahrrad unterwegs ist, hat er immer einen großen Ast dabei. Ich habe mich oft gefragt, was er mit dem Ast macht oder wie seine Wohnung aussieht. Wobei ich bei seinem Anblick eher die Vorstellung hatte, dass er in einer Werkstatt wohnt oder in einer Hütte.
Dann sah ich ihn vor der Marabu-Bar sitzen. Auf der Fensterbank, in der Sonne, schnitzend. Ein paar Tage später saß er wieder da.
Kurze Zeit danach sah ich ihn mit einer Frau, die ihm eine Partnervermittlung als ideale Ehefrau vorgeschlagen hätte, aus einem Kohlenkeller kommen. Ob sie da wohnen? Ich werde an der Sache dranbleiben.

Monday, October 23, 2006

Der Brandenburger

Dreimal die Woche verkauft hier in der Gegend ein Obst- und Gemüsehändler aus dem Umland seine Ware an einem Stand. Als ich am Samstag hinkomme, redet er auf eine junge Frau ein und gibt ihr einen Apfel zum Probieren. Man muss wissen, dass er eigentlich immer auf jemanden einredet. Bald sollte ich auch dran sein. Ich frage ob heute Verkostung sei und schwupps habe ich auch einen Apfel in der Hand. Ich beiße rein und...wow...der Apfel schmeckt nach den 70er-Jahren, herbstlichen Radtouren, frisch vom Baum gepflückte Äpfel...
Er hat Aroma, er hat Charakter, anders als die gestylten Models aus dem Supermarkt.
Ein Trinker kommt des Wegs, eine Bierflasche in der Hand. Hier im Kiez vergehen nie mehr als fünf Minuten bis ein Trinker mit einer Bierflasche in der Hand vorbeikommt. Das ist Gesetz.
Der Trinker und der Brandenburger kennen sich, der Händler gibt ihm einen Apfel und eine Möhre für seinen Hasen. Wenn er noch einen Hasen hat, könnte es auch noch schlimmer sein, denke ich.
Der Brandenburger führt mich weiter durch sein Sortiment und am Schluss habe ich mehr gekauft als ich wollte, aber alles ausgesprochen lecker.

Friday, October 20, 2006

Jesus died for somebody's sins, but not mine

Beim Rumwurschteln in der Wohnung fiel mir eine CD in die Finger die ich schon lang nicht mehr gehört habe: Patti Smith: Easter.
Ich wusste gar nicht mehr wie unglaublich kraftvoll, wütend und poetisch die Musik ist. Ich habe Patti Smith in ihrer ersten, sehr viel größeren Karriere gesehen. 1979 in Avignon. Es war eines der denkwürdigsten Konzerte meines Lebens.
Aus ganz Europa kamen die Freaks angereist um die Königin zu sehen. Freak meint in diesem Zusammenhang nicht Hippie, sondern einen tougheren Typ, ein bisschen Punk, ein bisschen Junk. Heroin hatte ja damals durchaus den Nimbus einer coolen Droge. Der Junkie aus der Klasse über mir, zitierte auf dem Nachhauseweg gelegentlich Velvet Underground: Heroin, it's my life, it's my wife...
Es waren natürlich nicht alles Junkies in dem Konzert, aber eben Leute, die damit was anfangen konnten:

Baby was a black sheep. Baby was a whore.
Baby got big and baby get bigger.
Baby get something. Baby get more.
Baby, baby, baby was a rock-and-roll nigger.
Oh, look around you, all around you,riding on a copper wave.
Do you like the world around you?Are you ready to behave?

Outside of society, they're waitin' for me.
Outside of society, that's where I want to be.

Man muss natürlich die Musik dazu hören um zu verstehen was ich meine! Also, hört Patti Smith! Easter und Horses und wers ganz schräg mag Ethiopia. Die neuen Sachen von ihr kenne ich leider nicht. Mein Bruder sah sie vor zwei Jahren im Central Park und meinte, die Musik wäre mehr oder weniger dieselbe. Also auf hohem Niveau gut!

Das Konzert in Avignon war ein Gottesdienst in einer sommerlich heissen Halle in der mehr Dope-Dämpfe als Sauerstoff waren. Man wurde nur vom Atmen breit. Ihre Hoheit hat uns auf eine zweistündige Reise durch alle Abgründe und rauschhaften Höhen der Seele mitgenommen. We are family!

Handwerker!

Auf dem Dach des Hauses gegenüber sind seit ein paar Tagen Handwerker zugange. Unten steht ein Aufsteller: Achtung Dacharbeiten! Sonst nichts. Keine Absperrung. Das hat dann den Effekt, dass man nach oben schaut und den Ziegel ins Gesicht anstatt nur auf den Kopf bekommt. Anfangen tun sie immer um fünf...na gut um sieben. Für jemanden der nachts oft ein, zwei Stunden wach ist, ist das hart.
Und gehen tut das bei den Handwerkern so: Punkt sieben machen sie einen infernalischen Lärm, bis sie sehen, dass alle Lichter rund herum angegangen sind, dann hören sie auf.
Oder es ist so: Sie haben eine Anlage die Handwerkergeräusche abspielt. Da steht dann: Säge schrill. Oder: Hammer auf Metall. Oder: Voice (Kalli! Kaaaaalliiii! KAAAAALLLLIIII!!!!! Ja? Haste mal den 68er Flunschdreher? WAS? OB DU DEN 68er FLUNSCHDREHER HAST? NE!)
Die Handwerker sitzen derweil rum, rauchen, trinken Kaffee und erzählen sich dreckige Witze.
Wenn sie sehen dass alle Lichter angegangen sind, machen sie sich an ihre geräuschlose Arbeit.

Thursday, October 19, 2006

Miau!

Im Bentamastar lese ich, dass es dort Überlegungen gibt, eine Katze anzuschaffen. Nun, da muss ich doch in meinem Gedächtnis kramen und ein paar Katzengeschichten zum besten geben. Die erste Katze, mit der ich nähere Bekanntschaft machte, war Cookie. Weil wir als Kinder des Englischen nicht mächtig waren, schrieb sich das Kuckie. Cookie war ein böser, alter, fetter, kastrierter launischer Kater.
Nur ab und an ließ er sich streicheln. Diese romantischen tête-à-tête beendete er regelmäßig durch einen schmerzhaften Schlag mit der Tatze. Cookie war der Kater der Nachbarin und einmal wollte die Tochter ihn baden. Das ist natürlich bei einer Katze eine Schnapsidee, bei Cookie eine sehr gefährliche. Jedenfalls war die Tochter am nächsten Tag bepflastert und verbunden, als wäre sie in eine Explosion geraten.
Cookie ist sehr alt geworden und zufrieden und böse gestorben.

Der nächste Kandidat hieß Tarzan. Ich bekam ihn aus dem Wurf einer Freundin. Süß und klein wie junge Katzen sind, wollte ihn meine Mutter dennoch nicht haben. Er konnte bei einem Freund unterkommen. Dort wurde schnell festgestellt dass Tarzan eine Jane ist. Der Name wurde dennoch beibehalten. So kam es oft zu der Situation, dass die Mutter des Freundes laut: Tarzan! in den Garten rief.
Tarzan entwickelte sich leider so ähnlich wie Cookie. Sie wurde launisch, böse, aber nicht ganz so fett. Und sehr alt ist sie auch geworden.

Kommen wir zum kleinen Sonnenschein Humphrey. Ich lebte als Bummelstudent mit anderen Bummelstudenten auf dem Land in einem alten Bauernhof. Um Status eines Land-Studenten gehörten natürlich Katzen. Wir hatten zwei. Jule, die Frau Mama und eben Humphrey, der verzärtelte Sohnemann. Unsere Katzen waren leider gar nicht in das Dorf-Katzen-Leben integriert. Es kam schließlich so, dass die fiesen, ruppigen Dorfkatzen ein Schlupfloch in unser Haus fanden, unsere Katzen verprügelten und ihr Futter wegfrassen. Wimmernd fanden wir sie dann am nächsten Morgen vor unseren Türen. Wir mussten sie also beschützen. Sie waren süß, liebebedürftig und sehr verschmust, vor allem Humphrey. Leider fand er ein jähes Ende auf der Straße. Der kleine Tollpatsch konnte die Gefahr nicht richtig einschätzen, obwohl ihm seine Mutter die Risiken immer wieder klarmachte. Das haben wir oft beobachtet.

Jetzt könnten noch die Geschichten von der Katze die wie ein Hund war kommen und die von der Katze die einen stundenlang anstarrte.
Ich hoffe, dass die Geschichten im Sinne einer Bentamastar'schen Katzenanschaffung nicht zu negativ ausgefallen sind.