Beim Rumwurschteln in der Wohnung fiel mir eine CD in die Finger die ich schon lang nicht mehr gehört habe: Patti Smith: Easter.
Ich wusste gar nicht mehr wie unglaublich kraftvoll, wütend und poetisch die Musik ist. Ich habe Patti Smith in ihrer ersten, sehr viel größeren Karriere gesehen. 1979 in Avignon. Es war eines der denkwürdigsten Konzerte meines Lebens.
Aus ganz Europa kamen die Freaks angereist um die Königin zu sehen. Freak meint in diesem Zusammenhang nicht Hippie, sondern einen tougheren Typ, ein bisschen Punk, ein bisschen Junk. Heroin hatte ja damals durchaus den Nimbus einer coolen Droge. Der Junkie aus der Klasse über mir, zitierte auf dem Nachhauseweg gelegentlich Velvet Underground: Heroin, it's my life, it's my wife...
Es waren natürlich nicht alles Junkies in dem Konzert, aber eben Leute, die damit was anfangen konnten:
Baby was a black sheep. Baby was a whore.
Baby got big and baby get bigger.
Baby get something. Baby get more.
Baby, baby, baby was a rock-and-roll nigger.
Oh, look around you, all around you,riding on a copper wave.
Do you like the world around you?Are you ready to behave?
Outside of society, they're waitin' for me.
Outside of society, that's where I want to be.
Man muss natürlich die Musik dazu hören um zu verstehen was ich meine! Also, hört Patti Smith! Easter und Horses und wers ganz schräg mag Ethiopia. Die neuen Sachen von ihr kenne ich leider nicht. Mein Bruder sah sie vor zwei Jahren im Central Park und meinte, die Musik wäre mehr oder weniger dieselbe. Also auf hohem Niveau gut!
Das Konzert in Avignon war ein Gottesdienst in einer sommerlich heissen Halle in der mehr Dope-Dämpfe als Sauerstoff waren. Man wurde nur vom Atmen breit. Ihre Hoheit hat uns auf eine zweistündige Reise durch alle Abgründe und rauschhaften Höhen der Seele mitgenommen. We are family!